Leistungsdrang (2): Miniribs

Miniribs können die Profiltreue an der Abströmkante verbessern
Bild: Nova
Im zweiten Teil meiner Serie zu den leistungsfördernden Konstruktionsmerkmalen bei modernen Gleitschirmen geht es heute um die Miniribs.

Miniribs sind kleine zusätzliche Profilrippen, die nur im hinteren Teil eines Flügels an der Abströmkante eingesetzt werden. Sei teilen eine Zelle weiter auf und verleihen ihr somit hinten eine größere Profiltreue, indem sie dort das Aufblähen der Zelle (Ballooning) verringern. Das wirkt so, als hätte der Schirm doppelt so viele Zellen, ohne dass dafür ein derart großer bautechnischer Aufwand betrieben werden muss, wie wenn man einen Schirm auf ganzer Tiefe mit entsprechend mehr Zellen, Profilrippen, Diagonalrippen etc.ausstatten würde.

Die verbesserte Profiltreue an der Abströmkante bringt einen Leistungsgewinn, weil sie weniger Turbulenzen erzeugt. Jede Verwirbelung am Rand und hinter einem Flügel wirkt bremsend, kostet also Leistung. Dieser Effekt ist v.a. im beschleunigten Flug spürbar, weil der Widerstand mit der Geschwindigkeit exponentiell wächst.

Moderne Schirme - auch schon in der B-Klasse - gleiten heute beschleunigt deutlich besser als die Modelle noch vor wenigen Jahren. Die Verbesserungen in der Polare gehen weniger auf neuartige Profile als auf eine Verringerung des Widerstands zurück. Das gelingt zum einen durch die Reduktion der benötigten Gesamtleinenlänge, zum anderen durch eine verbesserte aerodynamische (Profil-)Güte der Kappen. Die Miniribs sind davon ein Element

Schlecht kalkulierte Miniribs sind eher störend.
Bild: FOlivier
Aber: Nicht jeder Schirm wird mit Miniribs automatisch besser gleiten. Denn das Berechnen der idealen Form der Miniribs ist eine Kunst. Da sie in der Zellenmitte platziert sind, muss bei ihrer Dimensionierung das erwartete Ballooning des Ober- und Untersegels mit eingerechnet werden. Sind sie zu klein, ziehen sie in das aufgeblähte Profil weit vor der Abströmkante eine Stufe (s. Bild), die ihrerseits wiederum für unerwünschte Turbulenzen sorgt. Der Vorteil der Miniribs ist dann dahin.

Bei welchen Modellen die Miniribs so konstruiert sind, dass sie in der Praxis tatsächlich etwas bringen, oder in welchen Fällen es sich unterm Strich eher nur um ein Marketingelement handelt (weil es für alle Schirme mit "Leistungsanspruch" mittlerweile quasi zum Standard gehört), wird wohl kein Konstrukteur ehrlich beantworten wollen, und manchmal mangels Vergleich von ansonsten baugleichen Protos mit/ohne Miniribs auch nicht können.

Möglicherweise haben Miniribs in vielen Fällen hauptsächlich eine Placebo-Wirkung für Piloten mit Leistungshunger.

Alle Teile der Serie Leistungsdrang:
C-Wires, Mini-Ribs, Doppel-Diagonalen, 3D-Shaping.
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5 Kommentare:

Unknown hat gesagt…

„… weil der Widerstand mit der Geschwindigkeit exponentiell wächst.“

Nicht quadratisch?!

Lucian Haas hat gesagt…

quadratisch ist auch exponentiell... Da beim Beschleunigen des Gleitschirms das Profil verbogen wird, ändern sich allerdings auch die Grunddaten der Gleichung ein wenig. Darum stimmt das mit quadratisch nicht ganz, weshalb ich lieber exponentiell geschrieben habe. Welchen Exponenten die Steigerung am Ende hat, ob kleiner oder großer 2 kann ich nicht sagen.

Unknown hat gesagt…

Gedanken verstanden. Dankeschön!

Anonym hat gesagt…

Wenn der Exponent nicht 2 sondern beliebig ist nennt man das allerdings dann Potenzgesetz oder auch 'power law'. Exponentiell ist noch mal was anderes.

Anonym hat gesagt…

sollte das nicht heißen-- ob kleiner oder größer 4 kann ich nicht sagen