Test: Packrucksack Everest 2 Pro

Ergonomisches Tragesystem von Deuter
Wer gerne seinen Schirm auch einmal für längere Strecken bergauf zum Startplatz trägt, für den wird der Packsack zu einem entscheidendem Accessoir. Denn über die Anstrengung beim Berglauf entscheidet nicht nur das Gewicht auf dem Rücken, sondern auch, wie sich diese Last auf Hüfte und Schultern verteilt. Gute Wanderrücksäcke besitzen dafür ein ausgeklügeltes Rückensystem, bei dem Latten oder andere Versteifungen dafür sorgen, dass tatsächlich die Hauptlast auf den Hüftgurt übertragen wird. Bei Gleitschirmsäcken ist das selten zu finden, sie sollen ja auch noch zusammengerollt ins Staufach passen. Das heißt aber nicht, dass diese Lösung nicht machbar wäre.

Swing hat seit einigen Monaten ein solches Modell im Programm. Es heißt "Everest 2 Pro" und wurde zusammen mit der Firma Deuter entwickelt. Von Deuter stammt das ergonomische Tragesystem. Es weist einen gut gepolsterten Rücken mit Aluminium-Latten als Versteifung und Lastüberträger auf. Ich war gespannt, ob sich durch diese Konfiguration ein spürbarer Gewinn an Tragekomfort erreichen ließe. Zuvor habe ich schon Rucksackmodelle wie Supair X-Alps, Supair Delight, Gin Light oder Advance Easypack selbst besessen oder kurz getestet.

Um es kurz zu machen: Beim Everest 2 Pro entpuppt sich der versteifte Rücken als echte Wohltat. Auch wenn die anderen Modelle, entsprechend gepackt, schon ein angenehmes Tragen erlauben, ist beim Swing-Modell nochmals ein deutlicher Unterschied spürbar. Anstatt an den Schultern zu zerren, was auf Dauer zu einer anstrengenden vornüber gebeugten Haltung verleitet, sitzt die Hauptlast tatsächlich im Körperschwerpunkt auf der Hüfte. Bergläufe zum Startplatz empfand ich mit dem Everest 2 Pro weniger ermüdend!

Dennoch ist dieser Packsack sicherlich kein Modell für jedermann. Denn der hohe Tragekomfort wird mit ein paar Einschränkungen erkauft, die manche Piloten im Fliegeralltag als unpassend empfinden könnten. Da ist zum einen das Gewicht. Der Packsack ist stabil gebaut. Er wiegt knapp 1,5 kg und damit rund ein halbes Kilogramm mehr als andere Modelle aus der Kategorie Wanderpacksack. Der erhöhte Tragekomfort macht das zwar mehr als wett, wer aber v.a. auf Gewichtseinsparung steht, wird hier nicht glücklich werden.

Größer als üblich ist auch das Packmaß. Durch den versteiften Rücken lässt sich das Everest 2 Pro nicht klein zusammenrollen, sondern es muss aufrecht ins Staufach am Gurtzeug gestellt werden. Bei vielen Airbag-Gurtzeugen mit großem Rückenfach dürfte das passen. In meinem Woody Valley Peak habe ich damit keine Probleme. Doch es gibt sicherlich auch Gurtzeuge, deren Fachlänge dafür nicht ausreichen wird.

Das Stauvolumen des Packsacks wiederum ist mit 85 Liter für Standardausrüstungen knapp bemessen. Mein Airbag-Gurtzeug WV Peak inkl Rettung, ein Gleitschirm, ein offener Helm, ein Cockpit sowie ein dünner Overall passen gerade so hinein. Mit Integralhelm und Cockpit wird es schon sehr knapp.

Umständliches Packen durch die Hinterklappe
Etwas umständlicher ist auch die Packprozedur. Der Everest 2 Pro ist ein sogenannter Backloader: Der Reißverschluss sitzt hinten und reicht einmal um die Rückenplatte. Der Vorteil: Beim Befüllen liegt das Tragesystem nicht im Dreck. Doch die Füllöffnung ist kleiner als die Länge des Packfaches. Helm, Gurtzeug und Schirm müssen in wohlüberlegter Reihenfolge und mit Nachdruck durch dieses Nadelöhr "eingefädelt" werden. Anschließend kann man noch über eine kleine Seitenklappe verbliebene Lufträume mit Kleidung etc. ausstopfen.

Am Ende sitzt dann aber auch alles schön spack, was wiederum dem Tragekomfort zugute kommt. Zwei Kompressionsriemen an jeder Seite ziehen das Gewicht noch näher an den Körper. So kann der nächste Aufstieg kommen!
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1 Kommentare:

Marcello Leone hat gesagt…

Danke für den tollen Test. Hatte selbst den Advance Easypack. Dieser ist mir leider bei meiner letzten Tour kaputt gegangen und dadurch steht jetzt eine Neuanschaffung an. Werde mir den Everest 2 Pro mal bestellen und schauen was er halten kann.